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Auf dem Weg in die Ukraine
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Auf dem Weg in die Ukraine

Blick über SotschiEin letzter Blick auf Sotschi und ich mache mich auf den Weg nach Norden, Richtung Novorosisk. Die Straße ist extrem kurvenreich und erfordert höchste Konzentration beim Fahren.

Vor mir stoppen zwei Jeeps am Straßenrand. In jedem Jeep sitzen einige russische Schönheiten mit Model-Qualitäten, lediglich mit Bikini bekleidet. Ich beschließe hinter ihnen zu stoppen. Die Straße fällt leicht nach links ab. Noch während ich absteige folgt mir mein Motorrad unaufhaltsam und da liegt es. Die Mädels lachen aus vollem Hals und ich lache mit – was bleibt mir auch anderes übrig. Ich ich gebe den beiden Matchos, die mit ihrem Haarem unterwegs sind, zu verstehen, dass sie mir beim Aufrichten der Maschine helfen sollen. Einer der Muskelprotze kommt zu mir, so nach dem Motto „Das mache ich doch mit dem kleinen Finger.“ Schlussendlich müssen wir zu dritt anfassen um die Karre wieder auf die Füße zu stellen. Wir unterhalten uns kurz und dann wollen sie weiterfahren. Habe ich ein Glück! Nach der nächsten Kurve stehen sie bei einer Verkehrskontrolle am Straßenrand und winken mir zu, während ich an ihnen vorbeiziehe.

gigantische LindeHonigletzte Ausläufer des Kaukasus

In einer Bucht steuere ich einen Badestrand an. Mein Moped stelle ich bei einem Gasthaus ab und verstaue die Wertsachen hinter der Theke – nach einem Kaffee und Mineralwasser ist das kein Problem. Als ich vom Baden zurückkomme erzähle ich der Wirtin von meiner Reise. Sie will mir etwas zeigen, gar nicht weit von hier. Gespannt folge ich ihr, denn ich habe nicht ganz verstanden, um was es geht. Plötzlich steht eine unglaublich dicke Linde vor uns – man braucht bestimmt fünf bis sechs Mann um sie zu umarmen. Auf dem Rückweg fährt ein Bus an uns vorbei: „Völlig normal, an manchen Tagen kommen mehr als zehn Busse hierher, um die Linde zu sehen.“

Händler am Straßenrand arrangieren ihre Erzeugnisse häufig besonders kunstvoll. Ich fotografiere süße Honig-Köstlichkeiten. Die junge Frau ist sichtlich enttäuscht, dass sie kein Geschäft macht und ich kaufe ein Glas mit in Honig eingelegten Früchten. Die Berge werden nun flacher und die Ausläufer des Kaukasus liegen bereits hinter mir.

Cafe am Schwarzen Meerein Unwetter zieht aufRegen bis zum Abwinken

Ein hübsches Cafe am Straßenrand lädt zu einer Pause ein. Als ich weiterfahre ist ein Gewitter im Anzug. Ich spüre bereits die ersten Regentropfen und beeile mich. Eine Stunde später erwischt es mich dann voll!. Ich kann mich gerade noch unter das schützende Dach einer Tankstelle retten und hoffe, dass es bald nachlässt. Ein Gewitter jagt das andere und es regnet in Strömen. Nach mehr als einer Stunde Dauerregen reift die Erkenntnis ,dass es wohl so schnell nicht aufhören wird. Ich schlüpfe in meine Regenkombi, nehme dankend die mittleidigen Blicke der Autofahrer zur Kenntnis, und mache mich zu einer unangenehmen Regenfahrt auf.

Die Autofahrer gehen sehr rücksichtsvoll mit mir um, wenn ich mit dreißig Stundenkilometer an manchem unübersichtlichen Streckenabschnitt zum Verkehrshindernis werde. Bei der nächsten Gelegenheit lasse ich sie demonstrativ überholen und die meisten quittieren das mit einem kurzen Klick auf den Warnblinker. Diese Geste tut unheimlich gut bei diesem bescheidenen Wetterverhälnissen. Nach zwei Stunden hört der Regen endlich auf und ich finde in einem kleinen Ort ein hübsches Hotel. Ohne rudimentäre Russischkenntnisse wäre ich ich hier aufgeschmissen. Ich beobachte, wie die Chefin der hübschen Bedienung klar macht, dass ich Deutscher bin und kaum Russisch verstehe – Sie atmet tief durch und kommt dann an meinen Tisch. Es ist ein aussichtsloses Unterfangen. Am Nachbartisch hat man die Situation bemerkt und ein junger Mann fragt in makellosem Englisch, ob er weiterhelfen könne. Häufig habe ich Glück, in solchen Situationen einen Dolmetscher zu finden, aber darauf sollte ich mich besser nicht verlassen.

gigantisches Soldatendenkmal bei NovorosiskWolkenbruch, NovorosiskWegweiser nach Moskau

Kurz vor Novorosisk steht ein Soldatendenkmal mit besonders großen Ausmaßen. Man muss die Menschen davor als Vergleich heranziehen um die Größe zu erfassen.

Die Innenstadt zu ist für einen der kyrillischen Schrift nicht mächtigen Motorradfahrer nicht ganz einfach zu finden., Auf verschlungenen Wegen muss man eine Bucht überqueren. Ich frage mich nach einem Hotel durch und ein Russe wittert das große Geschäft. „Fünfhundert Rubel und ich fahre mit dem Auto voraus zum Hotel.“ Ich bekomme einen Lachanfall und lehne dankend ab – das sind mehr als fünfzehn Euro. Wenig später geleitet mich einf freundlicher Autofahrer kostenlos zum Stadtzentrum.

Am nächsten Morgen regnet es so heftig, dass das Wasser teilweise mehr als zehn Zentimeter hoch auf den Straßen steht. Im Hotel bietet man mir an, dass ich länger in meinem Zimmer bleiben könne, aber ich mache mich startbereit und will los, sobald der Regen etwas nachlässt. Ich habe wegen der Wetterverhältnisse bereits fast einen ganzen Tag eingebüßt. Morgen endet mein Visum und ich will es heute noch die hundertfünfzig Kilometer bis zur Krim schaffen. Vermutlich werde ich vor dem Übersetzen mit der Fähre in der Hafenstadt noch einmal übernachten müssen, denn ich komme erst am Nachmittag von Novorosik los.

Die Straßen sind gut und es geht zügig voran. Irgendwann fällt mir auf, dass kein Wegweiser mehr Richtung Hafenstadt auftaucht. Als ich meine Karte konsultiere, stelle ich fest, dass ich bereits fast hundert Kilometer in die falsche Richtung, nämlich nach Norden gefahren bin. Ursprünglich wollte ich diese Route wählen, weil mich der Südosten der Ukraine interessiert, hatte aber angesichts der knappen Zeit diesen Plan fallen gelassen. Am frühen Abend bin ich bei Rostov. In zwei Tagen könnte ich in Moskau sein, aber gleich muss ich links abbiegen, zum Grenzübergang in die Ukraine. Um 22 Uhr, zwei Stunden bevor mein Visum abläuft, bin ich an dem kleinen Grenzübergang. Die Formalitäten sind recht zügig erledigt, und um 22:05 Uhr bin ich bereits auf ukrainischem Territorium – der Zeitverschiebung um eine Stunde sei Dank.



 

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