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Georgische Heerstraße
Grenzübertritt nach Russland
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Grenzübertritt nach Russland

georgische Schüler an der georgisch-russichen GrenzeGespannt fahre ich die fünfzehn Kilometer von Kazbeg bis zum neu eröffneten Grenzübergang. Niemand konnte mir verbindliche Auskunft geben, ob ich dort als deutscher Tourist die Grenze passieren kann. Ich will mich selber davon überzeugen, was Sache ist. Die Schlucht mit sehr steil ansteigenden Felswänden ist super schön. Diese kaukasischen Berge begeistern mich!

Der georgische Grenzpolizist guckt mich höchst erstaunt an und gibt mir zu verstehen, dass ein Grenzübertritt für mich nicht möglich sei. Ich krame meinen Pass hervor und zeige ihm das russische Visum. Auf meinen flehenden Blick hin greift er zum Handy und ruft auf der zwanzig Meter entfernten russischen Seite an: „Njet“. Die Russen gestatten keine Einreise von Touristen über diesen Grenzübergang, sondern lassen nur armenische Staatsbürger passieren. Zerknirscht trete ich den Rückweg nach Trabzon in die Türkei an. Eine georgische Schulklasse hat gespannt beobachtet, ob ich die Grenze überqueren könne und posiert für ein nettes Foto mit mir – keine zweihundert Meter von der russischen Grenze entfernt.

georgische HeerstrasseKunstwerk, georgische HeerstrasseTiefebene auf dem Weg nach Batumi
Auf dem Rückweg sehe ich den Südkaukasus aus einer neuen Perspektive und es ist perfektes Fotowetter – wenigstens eine kleine Entschädigung für den verwehrten Grenzübertritt. Nach wenigen Stunden habe ich die Berge hinter mir gelassen und komme auf den sehr guten Straßen im Tal schnell voran. In den Höhenlagen hatte die georgische Heerstraße einige abenteuerliche und sehr schlechte Abschnitte.

Taxi trifft ChopperReparaturversuchalternatives Rücklicht

In Batumi, zwanzig Kilometer vor der türkischen Grenze, will ich meine verbliebenen Lari in Dollar tauschen. Gerade als ich links abbiegen will, rammt mich von hinten ein Taxi mit ordentlicher Geschwindigkeit. Das Motorrad und ich werden durch die Luft geschleudert. Der Fahrer und die Insassen springen aus dem Wagen. „Keine Polizei bitte! Sind Sie verletzt? Wir bringen Sie ins Krankenhaus.“ Noch auf dem Weg ins Krankenhaus taste ich meine Wirbel ab. Es scheint nichts gebrochen zu sein. Ich winke ab und wir fahren zur Wohnung des Fahrgastes. Wenig später wird das demolierte Motorrad in die Garage gebracht und mein Gepäck ist auch vollständig da. Sogar meine Brille ist heil geblieben. Ein paar Stunden später habe ich Schmerzen und eine heftige Schwellung über dem Steißbein. Wir fahren zum Notarzt, der mir eine Spritze verpasst und den riesigen Bluterguss behandelt.

Der Taxifahrer bietet mir an, bei ihm zu übernachten. Am nächsten Tag wird er nicht arbeiten gehen, sondern versuchen, mit mir zusammen das Motorrad wieder fahrtüchtig zu machen. Der Lenker ist verbogen, das hindere Schutzblech zertrümmert und der Rahmen ist verzogen. Mit Epoxidkleber, Maßband und brachialer Gewalt rücken wir dem Gefährt zu Leibe. Als neues Rücklicht dient eine Nebelschlussleuchte mit Rückfahrscheinwerfer.

Die Familie hat kein Geld. Man verköstigt mich mit den besten Leckereien der Küche und zum Abschied bekomme ich wertvolle georgische Keramik geschenkt. Hoffentlich bringe ich die heil mit nach Deutschland. Später in Russland fragt mich mal jemand ganz erstaunt: „Du glaubst an Gott?“ Ich antworte: „Ja, aber seit diesem Unfall noch viel mehr als vorher.“

Biker am Hafen von Trabzonungemütliche Schlafsessel auf der FähreCaptains-Breakfast

Ich muss mehrmals fragen, bis ich die Einfahrt zum Fährhafen von Trabzon finde. In wenigen Stunden legt die Fähre ab! Mit viel Hektik werden die Pass- und Zollformalitäten erledigt. Es kommen noch drei Biker aus Oberbayern an. Sie wollen weiter nach Kasachstan. Kurz bevor der Zollbeamte Feierabend macht, treffen noch zwei weitere Biker ein – ein Schweizer und ein Engländer, deren Ziel ebenfalls Kasachstan ist.

Bei einer Fähre würde man erwarten, dass Autos und LKW transportiert werden. Nicht so hier! Unsere Motorräder sind die einzigen Fahrzeuge. Stattdessen werden sieben Stunden lang Tomaten bis zum Abwinken in den Bauch der Fähre geschlichtet. Es bleibt gerade noch ein bisschen Platz für unsere Motorräder.

Die Nacht verbringe ich nicht in den ungemütlichen Schlafsesseln, sondern mit Thermarest und Schlafsack auf dem Oberdeck, direkt neben der Brücke. In der Morgendämmerung fängt es leicht an zu regnen. Ich schiebe meinen Schlafsack unter einen Vorsprung. Der Kapitän grüßt mich und bittet mich zu einem Kaffee auf die Brücke. Wir haben die die Schlechtwetterfront umfahren und ich will mich gerade wieder hinlegen, da kommt der erste Offizier mit Frühstück auf die Brücke. Der Kapitän lädt mich zum Captains-Breakfast ein!



 

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