| Schwarzmeer-Umrundung: Georgien |
Seite 1 von 5 06.06. - 17.06.2010
Nach wenigen Kilometern erreiche ich Batumi, eine quirlige Hafenstadt, in die tausende Touristen in den Sommermonaten strömen. Lonely Planet nennt Batumi „The fun loving city“. Es ist Vorsaison und noch ist alles ruhig. Am sehr schön angelegten Boulevard fällt mein Blick auf eine ausgewachsene Honda Shadow, die in den selben Farben erstrahlt wie mein Baby-Chopper. Leider ist die große Shadow zwischen Autos eingeklemmt, so dass ich meine Kleine nicht daneben stellen kann. Schon wenige Meter nach der Grenze fällt nach ein paar Wochen Türkeiaufenthalt sofort auf, dass ich nicht mehr in einem islamisch geprägten Land bin. Die Frauen hier verstecken ihre Reize nicht – im Gegenteil – sie wissen sich zu präsentieren. An der Grenze sagte mir ein schon etwas in die Jahre gekommener türkischer Mann mit einem verschmitzten Lächeln: „Für uns beginnt hier das Paradies – und wenn du später in die Ukraine fährst, dann bist du wirklich im Paradies angekommen.“ Während ich diese Zeilen schreibe bin ich bereits in der Ukraine und kann ihm nur zustimmen. Die gut gelungene Illumination verwandelt Batumi nachts in ein Sommermärchen. Trotz der vielen Baustellen und aufgerissenen Straßen macht es Spaß die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Zwei junge Leute sichern mich ab, so dass ich mich mit meiner Kamera mitten auf der Straße postieren kann, um die nächtliche Stadt aus den besten Blickwinkeln einzufangen. Wenig später taucht eine Gruppe Jugendlicher auf. „Ich bin Marina“, stellt sich eines der Mädchen vor, „Und wie heißt du?“ Wir kommen ins Gespräch und zum Abschied entsteht noch ein hübsches Foto.
Ich mache mich auf den Weg in Richtung Keda und will über den kleinen Kaukasus nach Tiblis fahren. Die schöne Berglandschaft erinnert mich ein wenig an den Schwarzwald. Nach dreißig Kilometern sehe ich ein Hinweisschild auf ein Restaurant. Am Haus selbst ist keinerlei Reklame, nur das Bierfass vor dem Haus verrät, dass es hier etwas zu trinken und möglicherweise etwas zu essen gibt. Hinter dem Restaurant fließt der Adzarickali-Fluss vorbei und in der Wiese davor baut man gerade einige kleine Häuschen für Übernachtungsgäste. Spontan frage ich, ob ich hier Zelten könne. Ja, ich darf. Kaum habe ich mein Zelt aufgestellt, da bringt mir die Tochter des Hauses eine wunderbar bequeme Hängematte! Das ist Luxus pur. Der Chef des Hauses spricht etwas Englisch. Wir sprechen über meine Reisepläne und er rät mir ab, diese Strecke weiter zu fahren. „Hier weiter bis Xasuri neun Stunden, zurück nach Batumi und dann über Samtredia vier Stunden. Poti unbedingt meiden.“ Obwohl es sechzig Kilometer weiter ist und ich wieder zurück nach Batumi fahren muss, lasse ich mich schnell von den Argumenten überzeugen. Die landschaftlich schönere Strecke führt mit Sicherheit durch den kleinen Kaukasus, aber der Termin für mein Russland-Visum rückt näher und ich will einige Tage in Tiblis verbringen. Warum ich nicht nach Poti soll konnte ich nicht herausfinden. |
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