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Schwarzmeer-Umrundung: Türkei
Istanbul
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21.05. - 05.06.2010

Helmut in IstanbulIch bin mitten in der türkischen Grenzabfertigung am Übergang bei Svilengrad. Der Ablauf ist gewöhnungsbedürftig, weil er sehr arbeitsteilig ıst. An der ersten Station wird das Kennzeichen erfasst, an der nächsten erfolgt die Passkontrolle, an einer weiteren werden die Fahrzeugpapiere und die Versicherungskarte geprüft und im Pass vermerkt und als nächstes quittiert der Zoll seine Überprüfung. Schließlich gibt es eine abschließende Prüfung des Passes, ob man auch keine der Stationen ausgelassen hat. Wenn wenig Betrieb ist, wie bei mir, dann hat man die Prozedur nach einer Stunde hinter sich.

Igneada - der nördlichste Ort der europäischen TürkeiHöhenzug bei Yildiz Dagungewöhnlicher Verkehrsteilnehmer

Zunächst fahre ich die Autobahn ein Stück Richtung Istanbul, verlasse sie aber bei Lilleburgas, um den nördlichsten Ort des europäischen Teils der Türkei am Schwarzen Meer anzusteuern – Igneada. Die Gegend ist erstaunlich bergig, mit Erhebungen bis 1000m. Es ist wenig Verkehr und man fühlt sich ein bisschen wie am Ende der Welt. Verkehrskontrolle in großem Stil in einem Nest Namens Demirköy: Der Polizei assistiert ein junger Sonderbeamter in Zivil. Er spricht exzellentes Englisch aber er will mir trotz mehrfacher Hinweise auf meine Papiere nicht glauben, dass mein Moped nur 125 ccm hat. Hartnäckig beharrt er darauf, dass mein A1-Führerschein nicht ausreichend wäre. Schließlich hat er doch ein Einsehen, wir sprechen über meine Reisepläne und ich kann weiterziehen.

Militär-Checkpoint am Ortseingang von Igneada: Vermutlich werde ich nur deswegen angehalten, weil der junge Soldat ein Schwätzchen mit einem ausländischen Motorradfahrer halten will. Irgendwann fällt ihm dann doch noch ein, dass er einen Blick auf meinen Pass werfen könnte. Igneada ist ein kleines Fischerdorf, das den Tourismus so nach und nach entdeckt. Die Infrastruktur ist bescheiden, die meisten Hotels und Pensionen recht einfach, aber das Preisniveau ist dem von Istanbul doch recht ähnlich. Anscheinend kommen genügend zahlungskräftige Gäste, aber im Moment ist davon nicht viel zu sehen. Interessant finde ich die neuen Verkehrsteilnehmer – kreuzende Schildkröten, die bei der Annäherung eines Fahrzeugs sich in ihren Panzer zurückziehen und so mitten auf der Straße verharren.


Istanbul

Hagia Sophia

Wer es mit dem eigenen Fahrzeug unbeschadet ins Zentrum von Istanbul geschafft hat, der braucht kein Verkehrssicherheitstraining mehr! Die einzige Regel scheint zu sein, dass es keine Verkehrsregeln gibt – ok, rote Ampeln respektiert man fast immer.

Blaue MoscheeIn der Blauen Moscheetürkische Flaggen allgegenwärtig

Um Istanbul wirklich zu erkunden, sollte man sich wenigstens eine, wenn nicht sogar besser zwei Wochen Zeit nehmen. Also unternehme ich schon gar nicht den Versuch möglichst viel zu sehen, sondern bummle einfach durch die Stadt und picke mir ein paar wenige Dinge heraus. Außerdem genieße ich die 25 Grad, nach den eisigen Temperaturen der Tage vorher und lasse meinen Blick über den Bosporus von Europa nach Asien schweifen.

Nein, das ist nicht mein HotelMein Quartier - direkt unterhalb der blauen MoscheeBlick über den Bosporus
Ich suche mir ein bezahlbares Hotel in Sultanamet, dem Stadtteil Istanbuls, in dem sich die meisten Sehenswürdigkeiten befinden: Blaue Moschee, Hagia Sofia und der Topkapı-Palast, um nur einige zu nennen. Es ist erstaunlich, wie sich in den Nebenstraßen einfache Bretterbuden und schnucklige Häuschen und Hotels abwechseln. Überhaupt scheint Holz ein beliebter Baustoff für kleinere Häuser gewesen zu sein.

Blick über den Bosporus bei Nachtschwankender Fischgrill am Fährhafen IstanbulsBlaue Moschee bei Nacht

Nachts entwickelt Istanbul eine faszinierende Atmosphäre – all die großartigen Gebäude durch kunstvolle Beleuchtung großartig in Szene gesetzt – und das ganze dann noch garniert mit illuminierten Wasserspielen. Auch der Blick über den Bosporus erscheint im wahrsten Sinne des Wortes in einem neuen Licht.


Der Nordwesten Anatoliens

Zelt im Nebel

Ich mache mich entlang des Meerbusens Izmet Körf auf der Autobahn Richtung Ankera auf den Weg ins Landesinnere. Es ist schon Nachmittag bis ich schließlich Istanbul hinter mir lasse. In Yenicaga verlasse ich die Autobahn und finde in an dem nahe gelegenen See ein Picknick – Areal, auf dem es sich hervorragend zelten lässt. Der junge Mann, der gerade seinen Imbiss abschließt, bestätigt mir auch: „Camping – no Problem“. Der Nebel verfliegt am nächsten Morgen auch schnell – meine erste Nacht im Zelt in der Türkei auf fast 1000m ist gut überstanden und ein schöner Tag liegt vor mir.

Hügellandschaft bei EskipazarSüt_Misir - dampfende Kessel am WegesrandSüt Misir

Mein Ziel für heute ist die Stadt Safranbolu (UNESCO Weltkulturerbe) und gegen Abend will ich in Amasra sein, einem schönen Städtchen am Schwarzen Meer. Unterwegs fallen mir immer wieder kleine rauchende Öfen mit dampfenden Kesseln am Wegesrand auf. Ich halte an und gehe dem Süt Misir mal auf den Grund. Mit etwas Salz schmecken die gekochten Maiskolben hervorragend!

Auf dem Weg nach SafranboluSafranboluSafranbolu

Bizarre Felslandschaften begleiten mich auf dem Weg nach Safranbolu. Das Städtchen hat ein einzigartiges Ensemble aus Fachwerk- und Holzhäusern. Ich fahre mit dem Motorrad durch die engen Gassen. Als ich stoppe um ein paar Fotos zu machen, guckt ein alter Mann ganz interessiert, aber als er merkt, dass ich den Fotoapperat zücke, ergreift er die Flucht. Seltsam, den später mache ich ganz oft die Erfahrung, dass sich türkische Männer und Jungs gerne fotografieren lassen und mich manchmal extra auffordern doch ein Foto von ihnen zu machen.

SafranboluAmasraSchwarzmeerküste zwischen Amasra und Inebolu

Durch interessante Berglandschaften fahre ich weiter nach Amasra, laut meinem Reiseführer das schönste Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste. Noch oben auf der Anhöhe, mit Blick auf das Meer, entdecke ich ein kleines Restaurant mit Garten bis an die steil abfallenden Klippen – es geht bestimmt einige hundert Meter nach unten. Ich trinke eine Cola, will zahlen und weiter, aber der Kellner registriert mich nicht. Zwei Tische vor mir sitzen in dem fast leeren Lokal drei Mütter, deren Kinder sich am Spielplatz tummeln und eine weitere recht attraktive Frau. Plötzlich steht sie auf und bringt mir einen kleinen Teller mit Wassermelonen – ich bin platt. Der Kellner bringt ihnen eine Käseplatte und allerlei Gebäck. Ich sehe wie er auf einem Teller eine kleine Auswahl zusammenstellt. Mit einem verschmitzten Lächeln bringt er den Teller an meinen Tisch.

Fischer in InoboluSonnenuntergang bei CulhaBerge bei Culha

Mein Weg führt mich weiter entlang der kurvenreichen und ständig an- und absteigenden Küstenstraßen in das 140 km entfernte Inebolu. Der Höhenmesser zeigt danach stolze 4900 angesammelte Höhenmeter an. Nach einem Tee an der Uferpromenade fällt mein Blick auf ein Schild mit der Aufschrift „Denize Pensyon“ und ich steuere zielstrebig darauf zu. Kurz bevor ich den Eingang erreiche, stürzt die Ladenbesitzerin von nebenan wild gestikulierend auf mich zu. Mit ein paar Brocken Englisch macht sie mir klar, dass dies keine Pension, sondern ein Mädchenpensionat der nahe gelegenen Schule ist. Also beschließe ich weiter zu fahren und mir einen Übernachtungsplatz in den Bergen zu suchen.


Nördliches Zentralanatolien

Teepause in Sinop

Unfreiwillig mache ich einen Abstecher nach Sinop, denn ich habe mich komplett in der Richtung geirrt. Das kostet mich fast einen ganzen Tag, aber die Stadt ist lebendig und durchaus sehenswert. Man nennt Sinop wegen des großen Touristenzustroms in der Ferienzeit auch das „Alanya des Nordens“. Ich fahre Richtung Süden ins Landesinnere vorbei an Reisfeldern nach Hattusa, zu den Resten der bedeutenden Hauptstadt der Hethiter aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Leider sind nur wenige Reste und die angedeuteten Grundmauern vieler Gebäude zu sehen. Die Größe und die Lage der Stadt beeindrucken – den Hethitern lag buchstäblich die Welt zu Füßen.

Ausgrabungen der Hetitherstadt Hattusa

Storch mit Nachwuchs und Sperlingen als Untermieterreges Treiben im Inneren einer Mohnblüte

Über Yozgat geht es weiter Richtung Osten. Unterwegs fesseln immer wieder Flora und Fauna meinen Blick.

Attatürk-Denkmal in SivasMoschee in Sivastürkische Frauen beim Flanieren

In Sivas mache ich eine kurze Pause am Attatürk-Denkmal. Ein älterer Herr spricht mich auf Deutsch an, ob ich der Besitzer des Motorrads wäre. Wir kommen ins Gespräch. Er hat über viele Jahre in Deutschland im Ruhrgebiet als Wachmann gearbeitet. Er will mich zu einem Tee einladen, aber ich will weiter.


Nordöstliches Anatolien

zwischen Erzincan und ErzurumWenige Kilometer weiter auf der Schnellstraße Richtung Erzurum führt eine kleine Straße in Richtung des Dorfes Beypinar Köyü. Kurz vorher zweigt ein Feldweg ab, der eher an einen Wanderweg erinnert. Nur mit Mühe schaffe ich es mit meinen 15 PS die kurzen aber sehr steilen Hügel hinauf. Vor einem schönen Bergpanorama will ich ungestört eine kurze Videosequenz aufnehmen. Kaum bin ich fertig, da kommt  ein Bauer mit Schlepper und Pflug des Weges. Er hält an und ich versuche ihm verständlich zu machen, dass ich hier lediglich ein paar Fotos mache. Er versteht meine Hand- und Fußsprache nicht ganz richtig und meint, er solle ein Foto von mir machen. Wir einigen uns schließlich auf ein gemeinsames Foto, als ein weiterer Schlepper entgegenkommt. Osman, ein sehniger Typ so Mitte dreisig, lädt mich auf Englisch zum Tee ein. Er guckt sich immer wieder um, ob ich mit meinem Motorrad auch brav seinem Schlepper folge.

In seinem einfachen Haus lerne ich wahre türkische Gastfreundschaft und die typische ländliche Familienhierarchie kennen. Sein Englisch entpuppt sich als ziemlich rudimentär und er hat es von seiner ältesten zehnjährigen Tochter gelernt. Safiye lernt seit einem halben Jahr in der Schule Englisch und ist sich noch sehr unsicher. Der Vater raunt ihr etwas zu, sie flitzt in die Küche und kommt mit einer großen Plastikschüssel, einer Karaffe Wasser und Flüssigseife zurück. Der Vater hält die Hände über die Schüssel, Safiye gießt Wasser darüber, anschließend einen Sprıtzer Seife darauf und dann wieder Wasser. Mir gedeiht danach die gleiche Prozedur an – fließendes Wasser auf einem einfachen anatolischen Bauernhof.

Die Einladung zum Tee entpuppt sich als ausgedehnte Einladung zum Essen. Nach einem Glas Ayran folgen gemischter Salat mit frisch gebackenem Fladenbrot, in Eiern ausgebackenens Hühnerklein und dazu reichlich Tee. Mein gestecktes Tagesziel kann ich vergessen, denn mein Gefühl sagt mir, früher als vor zwei Stunden aufzubrechen wäre unhöflich. Bevor ich aufbreche muss ich mir im Stall noch die zehn Rinder ansehen - sie sind sein ganzer Stolz.

Motorrad trifft TraktorIshak Pasha Palast bei Dogubayazitam Fuße des Arrarat

Mein Weg führt mich über den 2290 m hohen Sacdagi Gacidi Pass nach Dogubayazit, einer quirligen Stadt am Fuße des Arrarat – nur 60 km vom Iran und Armenien entfernt. Ich bedauere es für einen Moment, den Iran nicht in meine Reiseplanung einbezogen zu haben, denn die Kurdische Mentalität gefällt mir sehr gut. Wenige Kilometer südlich von Dogubayzit liegt hoch erhaben der Ishak Pasha Palast – das Neuschwanstein Ostanatoliens. Leider ist der Palast nur noch eine recht gut erhaltene Ruine, die eindrucksvoll die frühere Pracht erahnen lässt.

Nach einem ausgedehnten Bummel durch den Markt komme ich erst nachmittags los. Auf der staubigen Straßen, nicht zuletzt wegen der vıelen Fotostops, schaffe ıch heute nur 60 km. Der Lohn ist ein Basislager direkt am Fuße des Arrarat mit guten Bedingungen zum Fotografieren.

Camlibel Gecidi PassSchnee am Gecidi Pass auf 2640 mNebel in den Bergen vor Hopa, nahe der Grenze zu Georgien

Auf dem Weg zur Grenzstadt Hopa am Schwarzen Meer gilt es den 2640 m hohen Camlibel Gecidi Pass zu überwinden, der sich noch mit mächtigen Schneefeldern präsentiert. Die Region um Hopa macht ihrem Ruf als Wetterküche alle Ehre und erwartet mich in den Bergen kuz vor dem Meer mit tief hängenden Wolken, welche die Sicht oft auf weniger als 50 m begrenzen. Ich gönne mir einen Ruhetag und bin gespannt was mich in den nächsten Tagen in Georgien erwarten wird.

 

Fotoreportagen